Haushaltsrede 2026 Zusammen für Walldorf 27.01.26 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
werte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung,
liebe Walldorferinnen und Walldorfer,

ein kommunaler Haushalt ist mehr als eine Auflistung von Einnahmen und Ausgaben. Er zeigt, wie wir als Stadtgesellschaft miteinander umgehen und welche Werte uns leiten.

Gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen ist die kommunale Ebene entscheidend. Hier erleben Menschen ganz konkret, ob Politik schützt, unterstützt und zuhört oder ob sie allein gelassen werden.

Dank an alle, die Walldorf tragen

Zu Beginn möchten wir als Wählervereinigung Zusammen für Walldorf ausdrücklich Danke sagen.

Danke an die Stadtverwaltung, die diesen Haushalt mit großer Sorgfalt erarbeitet hat.

Danke an alle, die im sozialen Bereich arbeiten, in der Kinderbetreuung, in Schulen, in der Jugendarbeit, in der Pflege, in Beratungsstellen und Initiativen. Sie leisten Arbeit, die oft unsichtbar ist, aber für unsere Gesellschaft unverzichtbar.

Danke an unsere Gewerbetreibenden und Unternehmen, die Verantwortung übernehmen und durch ihre Beiträge die finanzielle Grundlage unserer Stadt sichern.

Danke an das DRK, an die Freiwillige Feuerwehr und an alle Rettungskräfte für ihren Einsatz, oft ehrenamtlich, oft unter Belastung, immer für andere.

Und danke an die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Kulturinitiativen und Religionsgemeinschaften. Sie machen Walldorf lebendig, offen und menschlich.

125 Jahre Stadtrechte – Verantwortung aus Geschichte

In diesem Jahr feiert Walldorf 125 Jahre Stadtrechte. Dieses Jubiläum ist mehr als ein historischer Meilenstein. Es erinnert uns daran, dass kommunale Selbstverwaltung, demokratische Mitbestimmung und Verantwortung für das Gemeinwohl keine Selbstverständlichkeit sind.

125 Jahre Stadtrechte stehen für eine Stadt, die sich immer wieder verändert hat, wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Für eine Stadt, die gewachsen ist, Herausforderungen angenommen hat und in der Generationen Verantwortung füreinander übernommen haben.

Die zahlreichen Veranstaltungen und Projekte in diesem Jubiläumsjahr zeigen, wie lebendig unsere Stadt ist und wie sehr Geschichte, Gegenwart und Zukunft zusammengehören.

Der Haushalt 2026 – Investitionen mit Haltung

Walldorf kann investieren. Das ist ein Privileg, aber auch eine Verpflichtung.

Der Haushalt 2026 zeigt: Wir investieren in Gebäude, Infrastruktur, Bildung und Betreuung. Gleichzeitig greifen wir weiter auf Rücklagen zurück. Das ist in der aktuellen Situation vertretbar, darf aber nicht dazu führen, dass wir den Blick für Prioritäten verlieren.

Für uns als Wählervereinigung ist entscheidend, wofür wir Geld ausgeben. Nicht alles, was finanzierbar ist, ist auch richtig. Und nicht alles, was kostet, ist automatisch eine Belastung. Vieles ist eine Investition in Stabilität, Prävention und gesellschaftlichen Frieden.

Bildung – Verantwortung für Kinder, Demokratie und Zukunft

Ein zentraler Schwerpunkt des Haushalts liegt im Bereich Schule und Bildung. Das begrüßen wir ausdrücklich. Investitionen in Schulgebäude, Umbauten, Klimatisierung und Hitzeschutz sind notwendig. Nicht nur aus baulichen Gründen, sondern auch zum Schutz der Gesundheit von Kindern und Lehrkräften.

Aber Bildung ist mehr als Gebäude. Schule ist ein Ort, an dem Kinder lernen, wer sie sind, wie sie dazugehören und wie sie mit Unterschieden umgehen. Deshalb müssen wir auch über Verantwortung sprechen.

Soziale Gerechtigkeit, Vielfalt und strukturelle Verantwortung

Walldorf ist eine vielfältige Stadt. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Kulturen und Lebensrealitäten leben hier zusammen. Diese Vielfalt ist eine Stärke, aber sie ist kein Selbstläufer.

Soziale Gerechtigkeit bedeutet nicht nur, alle gleich zu behandeln. Sie bedeutet, hinzuschauen, wo Menschen unterschiedliche Ausgangsbedingungen haben. Sie bedeutet auch, strukturelle Benachteiligungen ernst zu nehmen, selbst dann, wenn sie unbequem sind oder nicht immer auf den ersten Blick sichtbar werden.

Diskriminierung und struktureller Rassismus sind keine Themen, die nur andere Städte betreffen. Sie können überall entstehen, wo Machtverhältnisse, Abhängigkeiten und Unsicherheiten bestehen. Gerade Kinder und Eltern mit Migrationsgeschichte oder aus marginalisierten Gruppen zögern oft, Probleme anzusprechen oder Hilfe zu suchen.

Deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, präventiv zu handeln, durch Sensibilisierung, durch klare Zuständigkeiten, durch transparente Strukturen und durch niedrigschwellige Angebote, die Vertrauen schaffen.

Ein sozial gerechter Haushalt muss Raum lassen für diese Arbeit. Nicht als Symbolpolitik, sondern als Ausdruck unserer demokratischen Verantwortung. Denn eine Stadt ist nur dann wirklich stark, wenn sich alle Menschen sicher fühlen, gehört werden und gleiche Chancen haben, unabhängig von Herkunft, Namen oder Aussehen.

Kinder und Jugendliche – psychische Gesundheit ernst nehmen

Ein weiteres Thema, das uns sehr beschäftigt, ist die psychische Gesundheit unserer Mitmenschen, vor allem von Kindern und Jugendlichen.

Die Belastungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen: Leistungsdruck, soziale Medien, Vergleichbarkeit, Cybermobbing, permanente Erreichbarkeit. Viele junge Menschen stehen unter Druck, oft still, oft unbeobachtet.

Psychische Probleme sind schon lange kein Randthema mehr. Sie gehören in die Mitte unserer kommunalen Verantwortung.

Prävention, Schulsozialarbeit, Jugendangebote und sichere Räume sind keine freiwilligen Leistungen, sondern notwendige Investitionen.

Social Media – Realität anerkennen, nicht ignorieren

Social Media ist Teil der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen. Es geht um Medienkompetenz, um Aufklärung, um Schutz. Aber auch um Selbstwert, Resilienz und kritisches Denken. Auch hier gilt: Prävention ist günstiger und menschlicher als spätere Krisenbewältigung.

Kultur, ältere Menschen und Teilhabe

Kultur ist kein Luxus. Kultur schafft Begegnung, Identität und Zugehörigkeit. Sie verbindet Generationen und schafft Räume, in denen Vielfalt sichtbar und erlebbar wird.

Auch ältere Menschen werden hier stärker in den Blick genommen. Einsamkeit, gesundheitliche Einschränkungen und soziale Isolation sind reale Probleme. Teilhabe darf nicht am Alter scheitern.

Ein sozial gerechter Haushalt berücksichtigt alle Lebensphasen, von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter.

Ehrenamt, Demokratie und Zusammenhalt

Ehrenamt ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Menschen, die sich engagieren, übernehmen Verantwortung. Für andere, für die Stadt, für das Gemeinwohl.

Dieses Engagement braucht Anerkennung, Unterstützung und verlässliche Strukturen. Denn Demokratie lebt nicht nur von Institutionen, sondern von Menschen, die sie täglich mit Leben füllen.

Baumaßnahmen und Nachhaltigkeit

Die großen Bauvorhaben des Haushalts 2026 für den Wohnungsbau, das neue Pflegeheim, die Schulen, das Feuerwehrhaus oder auch der Tierpark prägen Walldorf für Jahrzehnte.

Dabei ist Nachhaltigkeit kein Imageprojekt, sondern eine harte Haushaltsentscheidung. Investitionen in Energieeffizienz und langlebige Bauweisen sind wirtschaftlich sinnvoll, da sie dauerhaft Betriebskosten senken und kommunales Vermögen sichern.

Diese Gebäude sind keine Prestigeprojekte, sondern müssen funktional im Alltag der Menschen bestehen. Ein nachhaltiger Haushalt vermeidet Politik auf Kosten der nächsten Generation. Wer heute nicht konsequent und wirtschaftlich investiert, zahlt morgen mehr und verschiebt Probleme lediglich in die Zukunft.

Schlusswort

Der Haushalt 2026 ist ein Haushalt mit Chancen. Er gibt uns die Möglichkeit, Walldorf gerechter, solidarischer und widerstandsfähiger zu machen.

Wir werden diesem Haushalt zustimmen und wollen dort etwas bewegen, wo Menschen Unterstützung brauchen, wo Strukturen verändert werden müssen und wo Politik Haltung zeigen muss.

Als Wählervereinigung Zusammen für Walldorf stehen wir für

  • soziale Gerechtigkeit,
  • klare Haltung gegen Diskriminierung,
  • Investitionen in Bildung, bezahlbaren Wohnraum, Prävention und Gesundheit,
  • kulturelle Vielfalt und demokratischen Zusammenhalt.

Denn der Zusammenhalt entsteht nicht von selbst.
Er ist eine Entscheidung.

Vielen Dank.

Mihriban Gönenc

Gemeinderätin für die Wählervereinigung Zusammen für Walldorf

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